Angelika Schönborn M.A.

1969 in Erlangen geboren
1990-93 Ausbildung zur Keramikerin / Gesellenprüfung
2003 Magistra-Examen in Kunstgeschichte, Grafik & Malerei und Außereuropäischer Ethnologie an der Philipps-Universität / Marburg
seit 2004 freiberufliche Künstlerin & Kunstdozentin
seit 2009 freie Kunstdozentin der Kinder- und Jugendkunstschule KunstWerkStatt / Marburg und der Familienbildungsstätte / Marburg
seit 2018 Mitarbeit Museumspädagogik im Kunstmuseum / Marburg
seit 2020 Projekt Kultur & Kulturen im Netzwerk Richtsberg / Marburg: Organisation von Kunst-Projekten

seit 1998 Gruppen- und Einzelausstellungen
seit 2019 Mitarbeit an Buchprojekten

Kontakt:

angelikaschnborn(at)yahoo.de

Angelika Schönborn - Finearts

Dunkelromantische Fotografie (2013 – 2020) von Angelika Schönborn

Ausgangspunkt für meine Dunkelromantischen Fotografien war der deutsche expressionistische Stummfilm der 1920er-Jahre, speziell F. W. Murnaus Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens von 1921; der erste Film des Vampir-Genres. Die Murnausche Bildsprache macht als hervorstechendstes Merkmal seinen Einsatz von bizarren Schatten als unheilverkündendes stilistisches Mittel aus.
Mein künstlerischer Ansatz bestand darin, der unheimlichen Atmosphäre des Films nachzuspüren, indem ich mit Unschärfe und einem Hauch Sepia versuchte, mich der damaligen Qualität des Filmmaterials anzunähern.
Unschärfe, die eine traumhaft-schwebende Atmosphäre erzeugt und ins Irreale verweist.
Die abgebildeten Gebäude, die Figuren scheinen ganz für sich zu sein, ein Eigenleben ohne Kontext zu führen.

In meiner Ausstellung Schattenwelten zeigte ich 2019 diese Fotografien zum ersten Mal. Im Künstlerinnen-Gespräch, das die Kunsthistorikerin Dr. Carola Schneider mit mir führte, fragte sie mich, ob die Abwesenheit von Mensch und moderner Technik eine Art Zivilisationskritik sei. In der Malerei der Deutschen Romantik spielt Zivilisationskritik eine Rolle.
Murnaus Film Nosferatu ist die deutsche Romantik immanent, was man an Motiven wie dem einer knorrigen, kahlen Eiche oder Fenstern erkennen kann, die oftmals in den Gemälden von C.D. Friedrich zu finden sind. Murnau verbindet das Fenster-Motiv allerdings mit der noch recht jungen Freudschen Psychoanalyse und der entsprechenden Ausdeutung.

Aber mir geht es in meiner Dunkelromantischen Fotografie nicht um Zivilisationskritik, sondern um Zeitlosigkeit: Keine Menschen, keine moderne Technik, die einen Hinweis auf die Zeit geben könnten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Unheimliche, das Erzeugen einer unheimlichen Atmosphäre als gesellschaftliche Spiegelung.
In Nosferatu geht es inhaltlich auch um die große Pest in Wisborg, die durch Graf Orlok eingeschleppt wird und die Menschen dahinrafft – eine Analogie zur Corona-Pandemie, in der wir uns seit Anfang 2020 befinden.
Meine Affinität zur Ästhetik des Unheimlichen, des Morbiden speist sich aus mehreren Quellen. Ich bin in Österreich aufgewachsen. Dort habe ich zum einen schwarzen Humor kennengelernt. Und es gibt eine Sepulkralkultur, die eine stärkere Nähe zum Tod offenbart; der Wiener Zentralfriedhof etwa ist eine Nekropole par excellence.
Hinzu kommt der Beruf meines Vaters als Pastor, dessen Arbeitsplatz eben auch der Friedhof war und dessen Amtshandlungen von der Wiege bis zur Bahre den Kreislauf des Lebens beinhaltet haben.
Meine Dunkelromantische Fotografie, die ihren Anfang in Marburg hatte, bedient sich einer Bildsprache, die bekannte, aber auch unbekanntere Motive in einen neuen Kontext setzt und sie somit ihrer Begrenzung enthebt, ihnen Allgemeingültigkeit verleiht. Was in Marburg steht, könnte genauso gut woanders stehen.
Es ging mir auch darum, das Kleine, Unscheinbare sichtbar zu machen.
So kann eine kleine Sepulkralplastik den Anschein evozieren, ein riesiger monolithischer Dschungel-Tempel zu sein.
Ein Wasserspeier mit Drachenkopf wird so fokussiert, dass er zu einem riesigen Ungetüm zu mutieren scheint.
Oder es findet eine Umdeutung statt – bekannte Motive werden in einen ganz neuen Kontext gesetzt. Aus dem ehemaligen Gebäude des Fachbereichs Außereuropäische Ethnologie wird "Hogwarts in Marburg".